Ausstellung in Röthenbach

Eine Rezension

Die Ankunft in Deutschland, wie Sonja Wolfstädter, Leiterin des Kulturzentrums Röthenbach, in ihrer einleitenden Vorstellung hervorhob, stellte für die Malerin anfangs eine große traumatische Erfahrung dar – bedingt durch die Unkenntnis der deutschen Sprache. Wie viele andere, die ihre Heimat verlassen hatten, musste auch sie zahlreiche persönliche Misserfolge erleben und mehrere Schritte zurückgehen, bevor sie die deutsche Sprache ausreichend gut beherrschte. Erst danach gelang es ihr, sich ihren Platz in der deutschen akademischen Gesellschaft zu erkämpfen.

Heute ist Lidija Jahr-Weis Innenarchitektin und seit mehr als dreißig Jahren selbstständig in diesem Beruf tätig. Seit etwa zehn Jahren widmet sie sich intensiv der Malerei, und dies ist bereits ihre sechste Einzelausstellung. Sie besitzt sowohl die kroatische als auch die deutsche Staatsbürgerschaft.

Dem Anfang, der sowohl Menschen als auch Bäume und Wege verbindet, die sich in ihren Bildern zu einer großen Krone – einer Kathedrale der Hoffnung und Zuversicht – vereinen. Das eine Bild erzählt von einem Sommertag in Potsdam, ein anderes von Venedig im November, ein drittes vom Fluss Pegnitz und einer Mühle … Diese persönliche Geschichte aus dem „Reisekoffer“ in bunten Farben erzählte die Malerin Lidija Jahr-Weis im Kulturzentrum Röthenbach in Nürnberg.

Lidija Jahr-Weis (geborene Jaklinović) wurde 1955 in Zagreb geboren und wuchs in Petrinja und Karlovac auf. Im Alter von vierzehn Jahren verließ sie gemeinsam mit ihren Eltern Kroatien, im Herbst 1969, nach dem Abschluss der achten Klasse. Jeder von uns trägt irgendwo im Gepäck seine eigene Geschichte, wenn er in ein unbekanntes Morgen reist und Erinnerungen hinter sich lässt – eine Spur, eine Verbindung zwischen dem Gestern, dem Heute und dem Morgen. So hinterließ auch die deutsch-kroatische Malerin Lidija Jahr-Weis über Jahre hinweg mit Feder und Pinsel ihre eigenen Spuren – bildnerische Aufzeichnungen.

Einige dieser Aufzeichnungen bewahrten alte kroatische Trachten vor dem Vergessen, wie etwa das Gemälde „Bučijada“, das die traditionelle Spitzenkopfbedeckung der Frauen aus der Umgebung von Ivanić-Grad zeigt. Einige ihrer Bilder sprechen vom Abschied als von einem neuen Anfang.

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