Ausstellung in Caritas-Pirckheimer-Haus - Nürnberg

Tuschezeichnungen "Zwischen zwei Flüssen"

Ein paar harmlose Wolken sind aufgezogen. Noch immer kann man die warmen Sonnenstrahlen im Gesicht spüren. Die Luft ist klar, der Abend nicht mehr weit. „Spätherbst“ heißt das Werk, das mit Tusche auf Japanpapier aufgebracht ist. Zu sehen ist es derzeit mit 21 weiteren Bildern in der Nürnberger Akademie Caritas-Pirckheimer-Haus (CPH). Die Ausstellung „Zwischen zwei Flüssen“ mit Bildern von Lidija Jahr-Weis wird durchgeführt in Kooperation mit dem Projekt „Geschichte(n) im Gepäck“, einer Veranstaltungsreihe des CPH, das sich mit multiperspektivischer Erinnerungsarbeit zum ehemaligen Jugoslawien beschäftigt. Mit den Bildern dokumentiert die Künstlerin ihre enge Verbindung zu Kroatien einerseits und Deutschland andererseits. Sie sei 14 gewesen, als sie mit ihren Eltern in Erlangen ankam, erzählt sie. Damals empfand sie ihren Lebensweg als anstrengend und beschwerlich: Die fremde Sprache und das für sie neue Schulsystem stellten sie vor große Herausforderungen, erinnert sich die 59-Jährige. „Niemand hatte mich gefragt, ob ich überhaupt aus Kroatien weg wollte“, sagt Jahr-Weis, die aus Zagreb stammt. Nach der Schule absolvierte sie eine Lehre als Dekorateurin und Schauwerbegestalterin, begann anschließend damit, Agrarwissenschaften zu studieren und schwenkte dann um auf Innenarchitektur. Heute arbeitet sie als freie Innenarchitektin und malt noch immer, eine Tätigkeit, die sie seit ihrer Kindheit begleitet.

Motive aus Kindertagen
Und so sind es auch überwiegend die Motive, die sie aus Kindertagen in sich trägt und der sie in der Malerei Ausdruck verleiht: Da sind Landschaften und Orte ebenso zu sehen wie Blumen und Wiesen; Stillleben und Alltagssituationen wie die bunt und fröhlich auf der Leine flatternde Wäsche, Menschen in ihren kulturellen Trachten, Blicke auf Häuserfronten und in Innenhöfe.

Die Werke von Lidija Jahr-Weis sind genährt von Erinnerung und Sehnsucht nach einer fröhlichen und unbeschwerten, sorglosen und farbenfrohen Zeit. Doch nicht nur die Vergangenheit in ihrer ursprünglichen Heimat greift die Künstlerin auf; auf ihren Bildern stellt sie auch das Land vor, das über die Jahre zu ihrer zweiten Heimat, das längst Teil ihrer eigenen Geschichte geworden ist: Da sind fränkische Szenen abgebildet, die wie ein ausgiebiger Spaziergang durch die Natur zum Meditieren einladen. Und tatsächlich: Malen ist für Lidija Jahr-Weis nicht nur ein handwerklicher Prozess, sondern auch eine Autobiographie in Bildern, eine Entwicklung, die sich zwischen zwei Flüssen – der Pegnitz einerseits und der Korana in Kroatien andererseits – abspielt.
Die Künstlerin, so wird deutlich, ist von beiden Ländern gleichermaßen geprägt; beide Identitäten, die sie in ihrer Person vereint, reflektiert sie in und mit der Kunst. ​ „Wenn ich nicht weiß, woher ich komme, kann ich niemals ankommen“, ist sie überzeugt. Durch die Malerei, so die Künstlerin, blicke sie besonders intensiv und aufmerksam auf alles, was sie umgibt.

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